Haarschafe Züchten in Mittelhessen

Erfahren Sie mehr über unsere Leidenschaft für Haarschafe

Auf dieser Webseite werden unsere züchterischen Bemühungen und die Beweggründe Haarschafe zu halten vorgestellt. Lesen Sie die Wandlung unserer Schafherde mit reinen Dorperschafen, durch Verdrängungskreuzung mit britischstämmigen Exlana- und EasyCareSchafen, zu einer leistungsorientierten Wirtschaftsherde zur Erzeugung frühreifer Schlachtlämmer, in ausschließlicher Weidehaltung ohne Mastfutter. Ergänzt mit Rubriken zu verschiedenen Haarschafrassen in Deutschland.

Nur Gras, daß war's

Im Marburger Land, mitten in Hessen, bewirtschaften wir einen Bauernhof mit angeschlossener Direktvermarktung. Dazu gehört auch eine Schafherde in artgerechter, ganzjähriger Weidehaltung. Unsere Schafe ernähren sich gesund, ausschließlich auf Grünland, von chemiefreien Wiesen und Weiden, deren Heu auch als Winterfutter verwendet wird. Sie bekommen kein Kraftfutter, kein Mastfutter, keinen Getreidezusatz oder sonstige Wachstumsförderer. Die Philosophie dahinter ist mit geringem Kostenaufwand an Endverbraucher direktvermarktbares Lammfleisch zu erzeugen, ohne den Einsatz von kostenintensivem Mastfutter und gleichsam unser Grünland extensiv zu beweiden.

Eine Weidehaltung, beziehungsweise die Fütterung nur mit Gras bringt unsere Haarschafe dazu, ihr genetisch mögliches Wachstumspotential unter Freilandbedingungen voll auszuschöpfen. Eine Beifütterung draußen oder eine Aufstallung der Lämmer mit Silagefütterung oder gar proteinreichem Kraftfutter, womöglich noch mit Soja aus Übersee als Eiweißträger, könnte sie zwar auf ein höheres Schlachtgewicht bringen, birgt jedoch auch die Gefahr einer Verfettung der Schlachtkörper und noch wichtiger, die von den Genen vorgegebene Futterverwertung bzw. der Muskelaufbau nur mit Grünfutter lässt sich so für uns sehr gut beurteilen.

Erzeugte Schlachtlämmer und auch adulte Tiere vermarkten wir geschlachtet und zerlegt über unseren Hofladen und auf Wochenmärkten. Dies ermöglicht einen stetigen züchterischen Fortschritt, da diese Herde einer kontinuierlichen Selektion unterliegt.

Haarschaf-Herde anno 2024

Haarschafe im Winter 2023/2024

Haarscha(r)fe Zucht

Der Fokus, beim professionellen Züchten unserer Haarschafe auf Basis von Dorperschafen unter Anpaarung mit Exlanas und EasyCareSchafen, liegt auf Vollfleischigkeit, Gesundheit, Leichtlammigkeit und Abhaarung. Kriterien wie Fellfarbe oder ähnliches sind eher periphere Zuchtparameter. Die Dokumentation von Abstammung, Gesundheitsstatus, Fellwechsel und Fruchtbarkeit der Haarschafe sind klassische Werkzeuge eines Züchters. Ohne präzise Dokumentierung wäre, die domestizierte Anpassung von Nutztieren an ihre durch Menschenhand geschaffenen Habitate wie ein Lotteriespiel, in dem es mal einen Glücksfall geben kann, bei dem durch Zufall ein Tier geboren wird, was ohne Zutun prächtig gedeiht, es gäbe aber eine Vielzahl von Tieren, bei welchen der Tierhalter nachhelfend tätig werden muss.

Die dokumentierten Abstammungslinien unserer Zuchtschafe kann Hinweise auf Krankheitsanfälligkeit oder Neigung im Frühjahr die Wolle nicht komplett abzuwerfen beinhalten. Wenn bei den Ahnen solche Probleme auftraten, ist dies auch beim Nachwuchs wahrscheinlich. Eine enorme Beschleunigung der Zuchtarbeit bietet heute ein Gen-Marker-Test. Die Möglichkeit auf genetische Veranlagung zur Empfänglichkeit zu Krankheiten wie Scrapie und MaediVisna zu untersuchen wird bei unseren Haarschafen seit Ende 2021 bei allen Zuchttieren genutzt.

Die Ermittlung der Zunahmen der betriebseigenen Lämmer geschieht bewusst erst am Fleischerhaken und nicht durch Lebendwiegungen. Um den Tieren den Stress des mehrmaligen Verbringens zur Viehwaage zu ersparen, werden unsere gegebenen Betriebsstrukturen genutzt. Die Vollfleischigkeit und das Schlachtalter der erzeugten Haarschaflämmer lässt auch auf deren Geschwister direkte Rückschlüsse zu.

Leumund der Vorväter

Nun ein Blick auf Deckböcke im aktuellen Einsatzzeitraum. Die Pro [+] und Kontra [-] Vermerke dienen als Veranschaulichung züchterischer Abwägungen. Das "Perfekte Schaf" für alle Situationen und Haltungen gibt es nicht und wird es auch nie geben, zum Glück wie wir meinen, da ansonsten gar keinen züchterischer Anreiz mehr gegeben wäre, sich mit der Zucht von Haarschafen zu befassen.

Deckbock Exlana + Dorper
Deckbock 2022 "Mirko" im zarten Alter von 8 Monaten

Vater: Exlana x Dorper/BHS
Mutter: Nolana x Nolana/BHS
Lebendgewicht: mehr als 50 kg mit 6 Monaten

Genotyp: ARR/ARR Genotypklasse: G1

[+] Frohwüchsig & Gerader Klauenwuchs

[-] Wollreste an den Keulenflanken

Zuchtbock Exlana
Exlana-Bock 2023 / 2024 "Duftikus" * Geb. 04/2019

Genotyp: ARR/ARR Genotypklasse: G1 Gentypisierung TMEM154: EK (mischerbig Veranlagt wider MaediVisna)

[+] Abstammung (Parasiten Toleranz / Myomax) & kompletter Wollverlust

[-] langes Klauenhorn

Zuchtbock Wiltshire Horn

Deckbock 2024 / 2025 "Max" * Geb. 06/2022

Vater: EasyCare
Mutter: Wiltshire Horn x White Dorper

Genotyp: ARR/ARR Genotypklasse: G1 Gentypisierung TMEM154: KK (reinerbig wider MaediVisna)

[+] minimierte Klauenpflege & kompl. Wollverlust

[-] vererbt Hornansätze

Zuchtbock EasyCare
Zuchtbock 2025 / 2026 "Pascal" * Geb. 2019

Reinrassiger EasyCare-Bock

F1 Nachzucht von Importtieren aus Wales. Der Bockvater war ein Importtier von Iolo Owen, dem Urgestein von EasyCare Schafen.

Genotyp: noch keine Gentypisierung vorhanden TMEM154: noch keine Typisierung vorhanden 

[+] auf einfache Handhabung selektiert

[-] Die Qualitäten müssen noch umfangreiche Gentests sichert werden
 

Exlana & Dorper

Unsere Schafherde im Fellwechsel, März 2023

Gene im Fokus

Die in Deutschland praktizierte Herdbuchzucht der meisten Schafrassen erscheint uns mittlerweile etwas antiquiert, da sie mit umständlichen Messungen von Parametern einhergeht, um auf die Leistung zu schließen. Mitunter wird jedoch nur eine phänotypische Erfassung bei der Aufnahme in ein offenes Herdbuch vorgenommen. Dies muss dann mit Selektion auf homozygote Zuchtschafe innerhalb einer Rasse ergänzt werden. Diese Verfahrensweise birgt jedoch die Gefahr eines hohen Inzuchteffizienten, weil die genetische Diversität in einer Herdbuchpopulation stetig geringer wird. Dies war früher auch durchaus gewollt, da man in einer Rasse möglichst Tiere mit gleichen Eigenschaften vereinen wollte. Somit wurde aber zwangsläufig der Genpool in einer Rasse klein gehalten. Der Verlust an genetischer Variabilität kann das gehäufte Auftreten von erblich bedingten Erkrankungen in einer Population begünstigen, wie Beispielsweise beim Suffolk-Schaf das Spider-Lamb-Syndrom. Heute ist die Aufschlüsselung der genetischen Veranlagung mittels Erbgutanalyse ein, für uns wirksameres Mittel zur Bestimmung des Leistungspotenzials unserer Schafe.

Das phänotypische Erscheinungsbild von Zuchtschafen ist jedoch nicht nur von den Genen abhängig. Etwa fünfzig Prozent eines Wesens machen Umweltbedingungen aus. Beispielsweise muss ein Mensch mit lockigen Haaren nicht eine Veranlagung für Locken besitzen, diese Person könnte auch schlicht Lockenwickler benutzen. Somit kann hier der Phänotyp ein anderer als der Genotyp, bei Schafen ist dies ganz genauso. Die genetisch maximal mögliche Leistung kann sich nur mit optimalen Bedingungen entfalten, zum Beispiel kann eine genetische Veranlagung zu hoher Fruchtbarkeit nicht bei Unterversorgung oder in Hungerphasen voll ausgeschöpft werden.

Neben der manuellen Protokollierung von Leistungsdaten unserer Haarschafe, werden auch mögliche Resilienzen zu den Krankheiten Scrapy (Traberkrankheit) und MaediVisna anhand der genetischen Veranlagung mittels Blutuntersuchungen bei Zuchttieren seit einigen Jahren erfasst. Ab der Lammung 2024 werden noch zusätzliche genetische Untersuchungen in Neuseeland genutzt.

Für unsere weibliche Nachzucht und die Deckböcke werden dann folgende genetische Veranlagungen untersucht: Empfänglichkeit auf Moderhinke (Footrot); Veranlagung zur Myostatin-Bildung für hohe Fleischfülle (T+ muscling) und ein Gentest zu Fruchtbarkeit (booroola).

An der Lincoln Universität in Neuseeland werden für Schafe neun verschiedene Gentests angeboten, auch für europäische Züchter. Die Preise sind für deutsche Verhältnisse preiswert, wenn genug Proben zusammen kommen. Aber der Clou ist die Blutprobenentnahme, denn den Neuseeländern genügen einige Tropfen auf einer FTA-Karte, was praktikabler ist, als aus einer Ader 12 ML EDTA-Blut am zappelnden Schaf in ein Röhrchen laufen zu lassen. Für die eigentliche Untersuchung ist eine Zeit von zwei Wochen einzuplanen, aber die Karten sind nach Neuseeland bis zu sechs Wochen mit der Post unterwegs.

Dorper und Nolana Schafe Herde anno 2019

Schafherde aus Dorper- und Nolanaschafen anno 2019

Schafe ohne Wolle bei uns

Bis zur Jahrtausendwende war Merino die einzige Schafrasse bei uns. Seit dem Jahr 2012 halten wir ausschließlich Haarschafe mit natürlichem Wechsel von Winter- und Sommerfell, diese Schafe verliehren ihre Wolle im Frühjahr von selbst. Unsere Herde basierte auf Dorper Schafen mit Herdbuchabstammung. Eine Herdbuchzucht wurde angestrebt und es kamen nur reinrassige Böcke mit Pedigree zum Deckeinsatz. Jedoch beweiden wir vorwiegend Wiesen mit weichen Lehmböden auf denen sich die Dorperschafe ihre harten Klauen nicht stark genug abliefen. Das Resultat waren Fußprobleme mit häufigen Entzündungen und es musste bis zu viermal jährlich die Klauen geschnitten werden. Dies entspricht nicht unserer Vorstellung einer unkomplizierten und pflegeleichten Schafhaltung. Für Schafhalter ist die Zeitersparnis, die Kostenreduktion und der geringere Arbeitsaufwand bei Schafen mit natürlichem Fellwechsel, durch den Wegfall des Scherens, nur sinnvoll wenn, die freiwerdende Zeit nicht zur Behandlung anderer Problembereiche verwandt werden muss. Denn Veranlagung für gerades und nicht zu festes Klauenhorn ist ausschlaggebend, um Tiere zu haben, bei denen sich die Klauen auf natürliche Weise abnutzen.

Dorperschafe - Herde anno 2014

Dorperherde anno 2014

Nolanas im Einsatz

Eher durch Zufall kamen zwei fuchsrote Nolana-Landschafe hinzu, welche ein Verwandter ursprünglich bei sich im Garten halten wollte. Diese Tiere entsprechen heute der Rasse Braunes Haarschaf und diese holten mir das Nolana-Projekt wieder in Erinnerung. Nolanas bekam ich im Zuge einer Weiterbildung in Echem im Jahr 2009 zu sehen. Diese waren jedoch wohl erst aus der F1- oder R1-Generation. Da sie zudem teils behornt waren, riefen diese bei mir damals keine wirkliche Begeisterung hervor. Doch meine beiden Nolana Landschafe waren schon weiter: Kompletter Wollverlust und vor allem keine nennenswerten Überstände an den Klauenkanten, also auch keine Taschenbildung, die zu Fäulnis führen könnte. Allerdings waren sie vom Rahmen her um einiges größer als Dorper, dies empfinde ich bei Arbeiten an den Tieren und beim Schlachten als unhandlich. Außerdem ist bei großwüchsigen Tieren der Grundfutterbedarf höher als bei Kleinrahmigen, was sich negativ auf die Bilanz von erzeugtem Lammfleisch je Hektar Weidefläche auswirkt. Tendenziell waren Dorperlämmer nur mit Gras als Futtergrundlage recht
vollfleischig. Um weiterhin muskulöse Lämmer mit nicht zu großem Rahmen zu erhalten und dennoch die Klauengesundheit zu fördern, kreuzte ich die Dorperschafe und deren Nachkommen mit Haarschafen anderer Rassen und seither sortiere ich Problemfälle rigoros aus.

Zunächst paarte ich mit Nolana-Fleischschaf-Böcken aus hervorragender Abstammung an, welche mittlerweile der Rasse Nolana entsprechen. Was mich bei diesen allerdings nicht überzeugte, ist die Ausrichtung vieler Zuchten auf hohe Lebendendgewichte, da ich hier nicht zwingend rasches Wachstum oder Muskelaufbau bei Lämmern gegeben sehe.

Genetische Diversität

Als ein Blutwechsel anstand, bekam ich einen Jungbock der Züchtung Exlana, dessen Mutter gedeckt aus England importiert wurde. Exlanaschafe überzeugen auch wegen der zusätzlichen Selektion auf Wurmresilienz. Mittlerweile verpaare ich die Exlana nach Möglichkeit Inter-SE und verwende auch Böcke aus eigener Herkunft, mit dem Ziel einen homogen gefestigten Bestand zu erlangen. Da die britischen Inseln mittlerweile massiven Importbeschränkungen für Zuchttiere in die EU unterliegen, werden bei uns auch EasyCare-Haarschafe gezüchtet, um genetisch auch zukünftig breitgefächert aufgestellt zu sein. Mittelfristige  Leistungsaufzeichnungen über EasyCareSchafe, welche ich über jedes unserer Haarschafe führe, um den Zuchtwert abwägen zu können, sind vielversprechend. Frei nach dem Motto englischer Exlana-Züchter: Genetik statt Kosmetik.

Ihr Alex Müller

Profesionelle Schafzucht von Exlana Haarschafen in Mittelhessen

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